
Feldpostbrief (FrontFront), 1940
Leseprobe
1: Ein Obergefreiter aus Rußland an seine Eltern in Plauen, 8.
Januar 1942:
...
Der Gefangenschaft bin ich so knapp entkommen. Nachts kam ich
mitten unter die Russen und war dem deutschen Feuer ausgesetzt.
Durch Dunkelheit fiel ich in eine 4 m tiefe Schlucht, wo schon 3
verwundete Russen lagen, darunter ein Offizier. Mir blieb weiter
nichts übrig, als die 3 zu erschießen, um nicht verraten zu
werden. Am andern Morgen hatten sich die Bolchiwiken zurück
gezogen, und nach 5 Wochen war ich wieder bei der Kompanie ...
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2: Ein in Weißrußland eingesetzter Zugbegleiter an seine Frau,
8. September 1942:
...
Was ich gesehen hab als d. J[u]d[en] hier ersch[ossen] wurden ist
furchtbar u. wir bringen es nicht mehr aus uns, so was kann man
nicht erzählen oder schreiben. Es gibt von 3000 Juden bei uns
nur mehr 22. Und das sind Handwerker. Jetzt brauchen wir kein
Sorge mehr haben, daß die uns eines Tages überfallen. In Fachwa
(?) sind 400 ausgekommen. Die Hälfte haben sie schon wieder
erwischt. Von der Polizei wurden mehrere v. den Jd. erschoßen,
die hatten Gewehre versteckt gehabt. Über Neuigkeiten brauchen
wir uns nicht beklagen, aber da mag und kann man nicht alle
schreiben. Ich laß heute den Brief einschr., da wird er sicher
nicht aufgemacht ...

Briefsortierung
in einem großen Postamt während des Krieges, wohl München
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3: Ein Jäger aus dem Kaukasus-Vorland an seine Eltern in
München, 10. Dezember 1942:
Ich liege nun glücklich in einem furchtbaren Nest, ungefähr 30 km vor Tscherkesk, am Kuban. Hier wurden wir vom RAD dem Militär übergeben. Ich kam auf Grund meines körperlichen Zustands zu den Hochgebirgsjägern. Das hört sich schöner an, als es ist. Wenn nur dieser verfluchte Dreck nicht wäre. Aber da gibts keine Rücksicht, bei uns muß alles schnell schnell gehen. Diese Zeit werde ich wohl mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Dazu die Unterkunft, kein Licht, kein Wasser, kein Fenster usw. u. oben drein viel zu wenig Essen. Na ja, auch das wird vorbeigehn. Hoffen wir recht bald.
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4: Eine junge Frau aus Münster an ihre Schwägerin in Augsburg,
25. November 1944:
... In Münster sind andauernd die furchtbarsten Angriffe. Nichtberufstätige bekommen jetzt keine Lebensmittelkarten mehr. Manche Leute mögen ihr Heim nicht lassen, u. wenn sie auch im Keller wohnen müssen.
Am vorigen Samstag bei dem Terrorangriff bin ich so eben mit dem Leben davongekommen. Ich habe im Bunker gesessen, 1.80 m dicke Eisenbetondecke, da ist die Bombe durchgeschlagen. Es hat bis jetzt 135 Tote gegeben. Die Wirkung der Bomben war riesengross. Zu Hause können wir nicht mehr wohnen. Fensterrahmen u. Türen heraus, Decken gerissen, eine eingestürzt. Es ist zum Erbarmen. Alles kann gestohlen werden. Aber ich kümmere mich nicht mehr um die Sachen. Verloren gehen sie ja doch. Und dafür möchte ich nicht mein Leben lassen.
Münster ist nun wirklich ein Trümmerhaufen. Das historische Rathaus u. der wunderbare Prinzipalmarkt mit den Bogenhäusern sind dem Erdboden gleichgemacht. Unsere Heimatstadt ist schön gewesen. In der Stadt ist kein Betrieb mehr. Still wie auf einem Dorf ist es geworden. Heute morgen hörten wir, dass ein Kollege von uns auch im Bunker umgekommen ist. Es sind sehr viele Bekannte dabei, die alle in der Nachbarschaft wohnten.
Liebe Hedi! Ich gebe Dir nur einen guten Rat, lasse Augsburg hinter Dir u. ziehe mit Deiner Mutter u. d. Willikindchen aufs Land. Jetzt in der Stadt zu bleiben ist wirklich Selbstmord. Ich war jetzt ein paar Tage krank von dem furchtbaren Geschehnis. Bis jetzt fühlte man sich im Bunker sicher. Nun weiss man wirklich keinen Schutz mehr ...

Links:
In der Heimat, der Postbote Rechts: Feldpost
wird von der Bahn auf LKW verladen
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5: Ein Unteroffizier der Panzertruppen, eingesetzt bei Jülich,
an seine Schwester in Berlin, 24. März 1945:
... Ich sitze hier in der Kommandantenkuppel meines Tiger, den Brief an den Knien, denn wir sind mal wieder in höchster Alarmbereitschaft. Laut Wehrmachtsbericht ist der Tommy über den Rhein, und es wird da wohl bald auch für uns mit dem Tanz beginnen. Im übrigen ist der ganze Panzerkrieg ein recht vornehmer Krieg, da wir, ähnlich der Luftwaffe, nur relativ wenig Panzerbesatzungen haben im Vergleich zu dem Riesentroß und dem technischen zugehörigen Personal. Wenn man allerdings erst im Einsatz steht, heißt es oft wochenlang hintereinander verkrümmt im Tiger sitzen, Tag und Nacht, niemals Schlaf, höchstens ein unruhiges Dahindämmern, dazwischen unausgesetztes scharfes Beobachten, tagelang manchmal. Und dann setzt sich mehr und mehr Dreck an, die Nerven sind immer zum äußersten gespannt, man kann sagen, man lauert von morgens bis abends und Nachts, glaubt hinter jeder Kleinigkeit hörbar oder sichtbar irgendeine Gefahr.
Und dann schnelles Erfassen, Zupacken, wenn es so weit ist, ein unerhört schnelles Hinausjagen der Feuerstöße wenn es heißt; Du oder Ich und dann wieder Ruhe, Beobachten, Lauern, bis es wieder losgeht. Das ist der Panzerkrieg; im ganzen die Nerven mehr beanspruchend als der Infanteriekampf. Dafür haben wir aber immer längere Ruhepausen dazwischen, die ich meist mit Lesen vertreibe wie z.B. die letzten Wochen. Ich glaube, ich habe noch nie so viel gelesen wie die letzten Monate, während andere mit Frauen und Mädchen herumsch.<unlesbar>zierten ...
Nun will ich aber schließen. Denn die Kameraden, die noch ein bischen schlafen wollen (schlafen ist übertrieben!) stört das Licht. Außerdem sind die Fahrzeugbatterien voll immer besser als leer, besonders wenn wir sie wieder brauchen und der Wagen muß mal eilig anspringen! (Es ist 11 Uhr abends).
Viele Grüße sendet Dir Dein Heinrich.
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6: Eine Flüchtlingsfrau aus Schlesien, nun in Lauf bei
Nürnberg, schildert das Schicksal einer Verwandten mit zwei
kleinen Kindern, 24. November 1946:
...
Leider mußte unsere Lise mit den Mellendorfern am 17. September
fort. Sie kamen in die russische Zone, zunächst in ein Lager bei
Pirna. Die Zollkontrolle soll unbeschreiblich gewesen sein. Sie
wurden in Baracken untergebracht, zu 200 Personen, immer zwei in
einem Bett. Tagesration war 300 gr. Brot, 20 gr. Zucker, u. ½
Liter Suppe. Sie wurden entlaust u. alle dreimal gegen Typhus
geimpft. Das verursachte allen Schmerzen. Viele bekamen Fieber.
Nach zwei Wochen wurden sie bei strömendem Regen
weiterbefördert. Sie mußten zehn Tage in einem alten Schloß
hausen. Die Räume waren völlig kahl. Ihr Zimmer hatte keine
Tür. Es war nur ein Wasserhahn für 500 Menschen vorhanden. Ihre
Sachen haben durch den Regen, oft Platzregen, sie mußten einmal
eine Stunde lang auf einer nassen Wiese warten, furchtbar
gelitten. Jetzt sind sie in Coswig Kreis Meissen untergebracht.
Sie wohnen nicht in Coswig, sondern in einem Dorf, das
eingemeindet ist. Sie haben es dadurch zu den Behörden u.s.w.
ziemlich weit. Sie wohnen bei einer Bäuerin in der kahlen
Dachkammer. Durch die Fürsorge bekamen sie einen kleinen
eisernen Ofen, aber sie haben kaum Heizmaterial. Sie erhielten
Soldatenbettstellen, zwei übereinander ...